1.1 Medienumgang im Entwicklungsverlauf

Für das Medienverständnis der Kinder bzw. Jugendlichen sind in erster Linie ihre kognitiven und sozial-moralischen Fähigkeiten ausschlaggebend. Als knappe Faustregel gilt: Geistige Operationen, die im Umgang mit der Realität noch nicht vollzogen werden können, sind auch in Bezug auf Medien noch nicht möglich.

So denken beispielsweise Vorschulkinder noch anschaulich und konzentrieren sich auf einzelne Aspekte eines Gegenstands. Sie sind nicht in der Lage, mehrere Dimensionen gleichzeitig zu berücksichtigen. Entsprechend können sie in Medienangeboten am besten die Situationen nachvollziehen, in denen nur wenige Figuren vorkommen. Sie konzentrieren sich z.B. auf die Hauptfigur einer Fernsehsendung und nehmen primär deren äußere Merkmale wahr. Soziale Beziehungen in Sendungen erfassen sie in einfachen Gegensätzen: die Guten und die Bösen, die Starken und die Schwachen etc.

Grundschulkinder können bereits konkrete logische Verknüpfungen erkennen und Handlungsfolgen voraussehen. Um ein direktes Gegenüber zu verstehen, versetzen sie sich an dessen Stelle. In Medien können sie entsprechend Handlungsverläufe und einfache Erzählmuster erfassen. Die dargestellten Figuren stehen weiterhin im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit. Aber sie verstehen jetzt die Charaktere und ihre Beziehungen mitsamt den persönlichen Hintergründen.

Je mehr die Entwicklung der kognitiven und sozial-moralischen Fähigkeiten im weiteren Prozess des Heranwachsens voranschreitet, und je mehr Erfahrungsräume sich in der Realität eröffnen, desto komplexere Handlungsmuster verstehen die Heranwachsenden auch in den Medien. Darüber hinaus werden sie allmählich zu kritischer Reflexion über die Bedeutung und Wirkung von Medieninhalten fähig.