5.2 Umsetzung gesetzlicher Regelungen im Jugendmedienschutz anhand ausgewählter Beispiele aus der Praxis

PC-Spiele in der Kindertagesstätte oder im Hort
In Kindergärten, vor allem aber in Horten ist es üblich geworden, Personalcomputer mit entsprechenden Softwareangeboten für Kinder und Jugendliche zu nutzen. Das pädagogische Personal hat sich zu vergewissern, dass die eingesetzte Software (meist Lernsoftware oder Spiele verschiedener Genres) über eine Altersfreigabe für die entsprechende Zielgruppe verfügt (meist Kennzeichen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle "USK") oder mit dem Kennzeichen "Lehrprogramm" versehen ist. Bei mitgebrachter Software muss die Altersfreigabe auf dem Datenträger überprüft werden. Ist keine vorhanden oder bei selbst gebrannten CD-ROMS, kann die Altersfreigabe nicht überprüft werden und die Software darf nicht zum Einsatz kommen. Zudem sollten detaillierte Regelungen zur Nutzungsdauer und zu den Umgangsregeln mit Bildschirmspielen vereinbart werden.

Jugendschutz im Internet bei PCs in Horten, Jugendzentren und anderen Einrichtungen
In vielen Jugendhilfeeinrichtungen existieren inzwischen Online-Computerarbeitsplätze, als Einzelplatzlösung, in Gruppen- und Computerräumen oder Internet-Cafés. Jugendliche, oft sogar Kinder haben Zugang zu solchen Räumen und damit zu den Terminals. Neben der Selbstnutzung sollte auch auf die Passivnutzung der jüngeren "Zuschauer" geachtet werden, die nicht jugendgeeignete Angebote mit konsumieren könnten. Es existieren zwar diverse Schutzprogramme, die ungeeignete Inhalte filtern sollen und direkt auf dem jeweiligen Rechner installiert sein müssen. Die bislang eingesetzten Verfahren können jedoch keinen umfassenden Schutz garantieren. Für die o.g. Einrichtungen gilt, dass Kindern und Jugendlichen jugendgefährdende Angebote nicht zugänglich gemacht werden dürfen. Nur durch die Installation spezieller Filterprogramme in Verbindung mit genügender Aufsicht und Kontrolle (z.B. durch das Aufstellen der Bildschirme so, dass sie von Aufsichtspersonen eingesehen werden können) kann ein Mindestmaß an Sicherheit herbeigeführt werden.

LAN-Parties und Spielkonsolen

Bei sogenannten LAN-Parties ("local area network" wird abgekürzt LAN) werden mehrere Computer miteinander verbunden und Spiele im Netzwerk durchführbar. Spielen gegen andere Mitspieler, nicht nur gegen den Computer, wird möglich. Veranstalter von LAN-Parties sind für die Einhaltung der Jugendschutzregelungen ebenso verantwortlich wie andere Medienanbieter. Auch sie müssen durch ausreichende Kontrolle und Aufsicht dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche nicht an jugendgefährdende Inhalte gelangen oder ein Zugangsverbot verhängen. Auch an Spielkonsolen (wie z.B. Sony-Playstation 2, die X-Box von Microsoft und der Nintendo-Game-Cube) ist es mehreren Spielern möglich, gegeneinander zu spielen. Der Spielverlauf wird daher nicht allein von der Programmierung gesteuert, sondern auch von der Geschicklichkeit der Mitspieler. Die Datenträger für diese Spielkonsolen unterliegen auch dem Jugendschutzgesetz und müssen mit einer Altersfreigabe versehen sein. Hier entsteht vor allem durch das gemeinsame Spielen auch mit älteren Freunden in einer Clique die Problematik, dass – ähnlich wie beim gemeinsamen Fernsehen zuhause – jüngere Kinder mit Medien konfrontiert werden, die eigentlich nicht für ihre Altersgruppe geeignet sind, z.B. von Jugendlichen aber durchaus genutzt werden dürfen. Besonders Eltern, aber auch alle diejenigen, die Spielkonsolen in öffentlichen Räumen aufstellen oder das Mitbringen zulassen, sollten sich dieser Problematik bewusst sein.