3.1 Die Methode der aktiven Medienarbeit

"Aktive Medienarbeit bedeutet die Be- und Erarbeitung von Gegenstandsbereichen sozialer Realität mit Hilfe von Medien. Die Medien werden von ihren Nutzern ,in Dienst genommen', d.h. selbständig gehandhabt und als Mittel der Kommunikation gebraucht." Aktive Medienarbeit fördert Fähigkeiten, die für einen kritisch-reflexiven Medienumgang notwendig sind, aber auch aktive und selbstbestimmte Partizipation in der Gesellschaft ermöglichen:

1) Intensive Befassung mit Themen
Die Herstellung eines medialen Produkts motiviert zur eingehenden Auseinandersetzung mit einem Thema, egal ob es sich um "große" gesellschaftliche Themen wie Ökologie oder Ausländerfeindlichkeit handelt oder um "kleine" Alltagsthemen wie Stress in der Familie oder die erste Liebe. "Ob es Ziel ist, eine filmische Dokumentation über Kriegsflüchtlinge [...] zu drehen, oder die plumpe Machart so mancher Infotainment-Sendungen mit einer bissigen Satire zu entlarven [...] - immer ist das Medium ,Mittel' zur intensiven Auseinandersetzung mit einem Thema und zur Darstellung der Ergebnisse [...]."

2) Erproben von Rollen
Aktive Medienarbeit bietet "viele Möglichkeiten, unterschiedliche Rollen gedanklich, z.B. bei der Durchdringung und Darstellung eines Themas aus unterschiedlichen Sichtweisen, oder praktisch, z.B. als Organisatorin, Cutter u.ä. einzunehmen und sich darin zu erproben."

3) Entwicklung sozialer Verhaltensweisen
"Aktive Medienarbeit [...] ist immer ein Gruppenprozess. Das ständige Aushandeln von Themen, Meinungen, Wertungen etc., die Verteilung von Aufgaben, das stringente Verfolgen gemeinsamer Zielsetzungen und das Erleben des Aufeinander-angewiesen-Seins im Team sind beste Voraussetzungen für Prozesse sozialen Lernens."

4) Entdecken eigener Fähigkeiten
"Aktive Medienarbeit stärkt das Selbstwertgefühl, da sie durch die vielfältigen Aufgaben [...] allen Beteiligten mit ihren unterschiedlichen Voraussetzungen die Möglichkeit für Erfolgserlebnisse bietet. Und sie fördert die Entdeckung der eigenen Kreativität [...]."

5) Erlernen der Mediensprache
"Wer selbst Medienprodukte herstellt, lernt zwangsläufig die ,Sprache' der Medien kennen, ihre Gestaltungsmöglichkeiten ebenso wie ihre Manipulationsmechanismen. Damit besteht auch die Chance zu lernen, die Medien insgesamt besser entschlüsseln und ihre Botschaften kritisch-reflexiv hinterfragen zu können."

6) Teilnahme an öffentlicher Kommunikation
"Medienprodukte sind immer geschaffen für eine Öffentlichkeit, ganz gleich wie groß diese ist [...]. Die Präsentation des [...] eigenen Produkts ist gleichzeitig eine Konfrontation der eigenen Position mit der anderer [...]." Sie bietet die Chance, "mit Bildern und Tönen das eigene Anliegen zu äußern und sich damit in die öffentliche Diskussion einzumischen".