2.1 Die Vorbildfunktion von Eltern

"Fernseherziehung in der Familie muss ebenso wie im Kindergarten oder in der Schule heißen: Kindern sollte ein kompetenter, selbstbestimmter und kritischer Umgang mit dem Fernsehen ermöglicht und vermittelt werden. Dabei sollte ihnen soviel selbständige Erfahrung wie möglich gestattet werden. Kontrollierend sollte dann eingeschritten werden, wenn Kinder die Folgen ihres Medienhandelns nicht überschauen können. [...]
Angemessene Fernseherziehung in der Familie muss verschiedenen Bedingungen genügen. Zu diesen Bedingungen gehört, dass in der Fernseherziehung nach den gleichen Prinzipien verfahren wird, wie in allen anderen Erziehungsfragen. Dies bedeutet etwa, den Kindern im Umgang mit dem Fernsehen genauso viel Eigenständigkeit zuzutrauen, wie im Umgang mit ihrem Taschengeld. Weiterhin ist es wichtig, die Vorstellungen zur Fernseherziehung dem jeweiligen Entwicklungsstand der Kinder anzupassen. Älteren Kindern kann und muss ein kompetenterer Umgang mit dem Fernsehangebot unterstellt werden als jüngeren. Um zu wissen, was man den eigenen Kindern zutrauen kann, muss man ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten gut kennen. So kann es sein, dass im gleichen Alter das eine Kind problemlos mit angstauslösenden Szenen im Fernsehen umgeht, indem es wegguckt oder das Fernsehen abbricht, während das andere Kind gebannt die entsprechenden Szenen verfolgt, sich nicht davon lösen, dann aber nachts vor Angst nicht schlafen kann.
[...] Medienerziehung kann wie Erziehung allgemein nicht nach Rezepten durchgeführt werden. So kann etwa die Frage, wie viel Fernsehen für Vorschulkinder vertretbar ist, nicht mit Angaben von Minuten beantwortet werden. Jede Familie muss dazu ein eigenes Maß finden, welches im Einklang mit anderen Regelungen steht. Ist das Familienklima offen und auf die Förderung von Selbstständigkeit der Kinder ausgerichtet, kann man ihnen gelegentlich auch mehr Fernsehkonsum erlauben. Weiterhin ist ein flexibler, aber nicht beliebiger Umgang mit Regeln wichtig. Die kindlichen Bedürfnisse und die familiäre Situation sollen Gewähren und Verbot von Medienangeboten bestimmen. Nicht immer muss in einer Phase intensiven Fernsehkonsums bei Kindern die Gefahr der sozialen Isolierung oder der einseitigen Beeinflussung gesehen werden. In einer Familie mit offenen Regeln wechseln diese Phasen mit Phasen intensiver Nutzung anderer Dinge ab. Erst wenn das Fernsehen zum ein und alles wird und andere Aktivitäten vernachlässigt werden, sollte eingegriffen werden. Zudem ist der Umgang der Kinder mit dem Fernsehen fast immer durch das Vorbild bestimmt, welches die Eltern ihren Kindern geben. In dieser Hinsicht ist die sinnvolle Nutzung von Medien durch die Eltern die beste Fernseherziehung in der Familie."

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Fernseherziehung in der Familie soll zu einem selbstbestimmten und kritischen Umgang der Heranwachsenden mit dem Medium Fernsehen führen.
  • Dies kann nicht durch Patentrezepte erreicht werden.
  • Eine Erfolg versprechende Fernseherziehung in der Familie muss die Vorlieben und die Meinung der Kinder mit berücksichtigen.
  • Die Eltern sind auch beim Medienkonsum Vorbild für den Nachwuchs und sollten entsprechend ihre eigenen Gewohnheiten kritisch prüfen.


Infobox

Literatur

Aufenanger, Stefan (1995) Fernseherziehung in der Familie. In: Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.): Handbuch Medienerziehung im Kindergarten. Teil 2: Praktische Handreichungen. Opladen