1.1 Medienkompetenz: Ein Bündel von Fähigkeiten für das Leben mit Medien

Der Begriff Medienkompetenz bezeichnet ein Bündel von Fähigkeiten, das für das Vermögen steht, die Medien, die gesellschaftliche Kommunikation unterstützen, steuern und tragen, zu begreifen, sie verantwortlich und selbstbestimmt zu nutzen.

  • Zur Medienkompetenz gehört also der selbstbestimmte Umgang mit Medien. Das heißt zum Beispiel, Fernsehsendungen aufgrund eigener Interessen und Urteile auszuwählen, sie also nicht nur zu nutzen, weil andere es auch tun.
  • Zur Medienkompetenz gehört weiterhin das aktive Kommunizieren mittels Medien. Das heißt zweierlei: Erstens an medial gestalteten Informationswelten teilzuhaben, also zum Beispiel die Fernsehnachrichten verstehen zu können, und zweitens mediale Informationswelten aktiv mitzugestalten, also beispielsweise das Internet zur Verbreitung von Informationen zu nutzen.
  • Zur Medienkompetenz gehört schließlich die kritische Reflexion und Verantwortung gegenüber medialen Entwicklungen. [...]

"Um Medienkompetenz in diesem Sinne zu erlangen, braucht man erstens Orientierungs- und Strukturierungswissen, also Wissen, mit dem man beispielsweise im Dschungel medialer Angebote wichtige von unwichtigen Informationen trennen kann, also um Nachrichten und Infotainment zu unterscheiden. Zweitens ist dazu Reflexions- und Kritikfähigkeit notwendig, etwa um neue Angebote auf dem Medienmarkt [...] einschätzen und eine Position dazu vertreten zu können. Und drittens muss man über technisches Handhabungs- und ästhetisches Gestaltungsvermögen verfügen, um sich über Medien anderen mitteilen zu können."

Medienkompetenz erschöpft sich mithin "nicht in medienbezogenem und schon gar nicht in technischem Know-how. Der medienkompetente Mensch ist vor allem ein sozial kompetenter Mensch. Er weiß die Medien funktional zu nutzen, zum Vergnügen, zum Kommunizieren und zur Teilhabe am gesellschaftlichen Prozess. [...] Medienkompetenz wird wie jedes andere soziale Handeln erworben - im Wechselspiel der Anstöße und Anregungen von außen und der Erfahrungen im eigenen Erleben und Handeln. Medien gehören in der heutigen Zeit von früher Kindheit an zum Alltag, und Kinder sind medienoffen im positiven und im negativen Sinn. Sie sind neugierig auf die Medien, nutzen sie ohne Scheu, sind aber auch von ihnen beeinflussbar".

Für eine erfolgreiche Förderung von Medienkompetenz ist es unerlässlich, sich auf die Perspektive der Heranwachsenden einzulassen. Denn "Kinder sind aktive Subjekte, die sich von klein auf mit ihrer Umwelt und mit den dort vorfindbaren Medien auseinander setzen. [...] Diese Perspektivenannäherung ist insbesondere wichtig, weil Kinder Medien, allen voran das Fernsehen, als Fundgrube für ihre Orientierung benutzen. Was sie finden, prüfen sie darauf hin, ob es für die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben und Alltagsanforderungen brauchbar ist. [...] Die Realitäts- und Medienaneignung der Kinder verweist auf den Wunsch und die Fähigkeit zu selbstständigem Entdecken und Auseinandersetzen. Dafür Räume zu öffnen, die die Balance zwischen Autonomie und Erziehung halten, ist der erfolgversprechendste Weg zur Medienkompetenz.


Infobox

Literatur

Theunert, Helga (1999) Medienkompetenz: Eine pädagogische und altersspezifisch zu fassende Handlungsdimension. In: Schell, Fred; Stolzenburg, Elke; Theunert, Helga (Hrsg.): Medienkompetenz: Grundlagen und pädagogisches Handeln. München