5.5 Nur wirklich Spannendes ist interessant genug - Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität (ADHD)

Etwa 3 bis 5 % der Grundschulkinder - das ist ungefähr ein Kind pro Klasse - leiden unter einer Aufmerksamkeitsstörung , teilweise verbunden mit Überaktivität ( Attention Deficit and Hyperactivity Disorder - ADHD). Häufig werden die Gründe für die Aufmerksamkeitsstörung in der Reizüberflutung durch die Medien gesucht, denn eine aufregende Fernsehserie oder ein schnelles Video- oder Computerspiel sind oft die einzigen Gelegenheiten, bei denen die betroffenen Kinder sich über längere Zeit konzentrieren können.

TIPPS:

Richtig ist: Kinder mit einer Aufmerksamkeitsstörung können sich nur dann länger auf eine Sache konzentrieren, wenn diese für sie neu und spannend ist. Das gilt für den realen Alltag, besonders aber für die Medien, die häufiger und mehr davon bieten können, und zwar nicht nur die audiovisuellen Medien, sondern auch Bücher.

Falsch ist: Fernsehen und Medien führen dazu, dass sich die Zahl aufmerksamkeitsgestörter und überaktiver Kinder erhöht. Dies ist schon deshalb nicht richtig, weil die Zahl der aufmerksamkeitsgestörten/überaktiven Kinder in den letzten Jahren annähernd gleich geblieben ist (trotz erheblich vermehrter Medienangebote). Außerdem ist damit nicht zu erklären, weshalb nur ein Teil unserer Kinder unter Aufmerksamkeitsstörungen leidet.

Eine Aufmerksamkeitsstörung kann sich nur dann entwickeln, wenn ein biologisches Grundrisiko (Minderleistungen in der Frontalregion des Großhirns) gegeben ist. Ausschlaggebend für die Ausbildung einer Aufmerksamkeitsstörung sind die sozialen Bedingungen, unter denen ein Kind aufwächst, z.B. ein inkonsequenter Erziehungsstil oder ein wenig liebevoller Umgang zwischen den Familienmitgliedern.