3.7 Gewalt im Spiel = (k)ein Kinderspiel

Action- und Gewaltspiele – reine Männersache!
Beim Thema Action und Gewalt scheiden sich nicht nur die Geister sondern auch – und vor allem – die Geschlechter. Während sich viele männliche Heranwachsende für alle Arten von gewalthaltigen Actionspielen begeistern können, machen diese Spiele bei den Mädchen wenig Eindruck. Egal ob Prügelspiele oder Militärsimulationen, Ego-Shooter oder Action-Rollenspiele, alles was mit kämpferischen Auseinandersetzungen zu tun hat, ist ein Fall für die Jungs. Das Gefühl, das Spiel bzw. die Gegner im Griff zu haben und zu beherrschen, hat dabei große Bedeutung. Der Wunsch, Ereignisse und Situationen zu kontrollieren und Macht auszuüben, ist anscheinend den männlichen Heranwachsenden in unserer Gesellschaft auf den Leib geschrieben. Die zum überwiegenden Teil vor "Männlichkeit" strotzenden Hauptfiguren in gewalthaltigen Spielen tun ein Übriges. Für einige Jungs ist es außerdem ein Anreiz, die Erwachsenen mit den eigenen "krassen" Medienvorlieben zu schockieren. "Männlichkeit" demonstriert derjenige, der etwas aushalten kann und ohne mit der Wimper zu zucken, eklige Monster abknallt und als unbesiegbarer Held die blutigsten Kämpfe übersteht.

Echtes Risiko – Wenn Bildschirmkrieger die Kontrolle verlieren
Wenn Gewalt im Spiel ist, sind die Befürchtungen von Eltern und anderen Erwachsenen besonders groß. Machen diese Spiele die Kinder und Jugendlichen aggressiv, verhaltensgestört oder gar zu Amokläufern? Angesichts von spritzendem Pixelblut und düsteren Endzeitszenarien eine verständliche Frage. Trotzdem: Das schnelle (Vor-)Urteil ist auch hier nicht angebracht. Gewalt in Spielen ist etwas anderes als zum Beispiel in einem Film. Die Spieler werden nicht – wie in einer Filmgeschichte – emotional mit hineingezogen, fühlen nicht mit den Helden, aber auch nicht mit den Opfern. Mitgefühl würde den erfolgreichen Spielablauf einfach nur stören. Das heißt aber nicht, dass die Spielenden automatisch abstumpfen oder gar Mitleidsfähigkeit in der Realität verlieren. Spiel und Realität sind zwei unterschiedliche Welten und das ist den allermeisten Spielenden bewusst. Verschwimmen jedoch diese Grenzen, kann ein problematisches Gewaltverständnis gefördert werden. Risiken sind vor allem dann zu befürchten, wenn die Spielenden ständigem Druck ausgesetzt sind, weil sie wie bei den "Ego-Shootern“"im Sekundentakt drastische Gewalt ausführen müssen, um sich das Bleiberecht im Spiel zu erkämpfen. Läuft das Spiel vor einem realitätsnahen Szenario (z.B. Terrorbekämpfung oder Vietnamkrieg) ab und ist die Darstellung von filmähnlicher Qualität und realistisch, sind solche Effekte umso wahrscheinlicher. Dann kann es auch vorkommen, dass die Begeisterung für Spielelemente, wie zum Beispiel für Waffen, Kriegsgerät, militaristische Strategien in der Realität ihre Früchte trägt.