3.3 Die Gewaltschwelle

Je nach kognitivem, emotionalem und moralischem Entwicklungsstand sowie den realen Gewalterfahrungen eines Mädchens oder Jungen auf der einen Seite und der Art der dargestellten Gewalt auf der anderen Seite kann Gewalt in medialen Kontexten belasten und verunsichern. Wie Kinder oder Jugendliche sich zu medialer Gewalt stellen, hängt mit ihrer persönlichen "Gewaltschwelle" zusammen. Diese ist so etwas wie ein individueller Maßstab dafür, welche Gewaltdarstellungen toleriert werden und welche für die Heranwachsenden unerträglich oder ängstigend sind.

Angst ist vor allem bei jüngeren Kindern zu finden, und zwar besonders dann, wenn sie den Kontext drastischer Gewalt nicht verstehen können oder wenn mystische Zusammenhänge eine Rolle spielen. Mit zunehmendem Alter werden mediale Inhalte und auch mediale Gewalt besser eingeordnet. So haben die meisten Mädchen und Jungen im Jugendalter z.B. keine Schwierigkeiten mehr, mit Mysteryserien umzugehen. Diese rufen keine diffusen Ängste mehr hervor, wie das bei jüngeren Kindern der Fall ist, sondern gelten als spannendes Fernseherlebnis. Belastend aber bleibt Gewalt auch bei älteren Kindern, wenn sie drastisch ist oder der Wirklichkeit nahe kommt.