1.4 Medien machen einsam

Manche Heranwachsende räumen den Medien einen so hohen Stellenwert in ihrem Leben ein, dass sie darüber ihre sozialen Kontakte und Aufgaben vernachlässigen. Dieses Abtauchen in mediale Welten führt - so wird befürchtet - zu sozialer Isolation und zum Verlust des Realitätsbezugs.

Normalerweise sind Medien für Heranwachsende eine von vielen Beschäftigungen und sie werden auch nicht nur zur individuellen Beschäftigung genutzt. Kinder sehen im Gegenteil gern mit anderen gemeinsam fern oder sitzen zusammen vor dem Computer, Jugendliche treffen sich, um im Freundeskreis einen Videofilm anzuschauen, Musik dient ihnen oftmals dazu, ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zu demonstrieren, der Austausch über ein neues Computerspiel oder über Neuigkeiten aus der Lieblingsserie gehört zu den Standardgesprächen. Viele Heranwachsende äußern den Wunsch, häufiger Medienerlebnisse mit Gleichaltrigen zu teilen. Computerspiele, die vernetzt gespielt werden können (Online oder im LAN), sind deshalb bei älteren Kinder und Jugendlichen auch besonders beliebt.

Wenn sich Kinder oder Jugendliche jedoch in die Welt der Medien zurückziehen und von ihrer sozialen Umwelt nichts mehr wissen wollen, geschieht das oft, weil sie ihre Realität als unbefriedigend oder belastend erleben. Die Medienwelt erscheint dann als die "bessere" Alternative: Spannendes und Unterhaltsames sorgen für Ablenkung von Sorgen und Problemen, im Gegensatz zum Alltagsleben bewirkt das Geschehen auf dem Bildschirm weder Leistungsdruck noch Versagensängste. Die Gründe für diese Realitätsflucht sind allerdings im Lebensumfeld der Kinder und Jugendlichen und nicht in den Medien zu suchen. Wenn also Eskapismus und sozialer Rückzug beobachtet werden, dann sind dies in aller Regel Indizien für Schwierigkeiten und Belastungen im wirklichen Leben. An diesen muss angesetzt und bei der Bewältigung geholfen werden.