1.3 Medien machen dumm

Schlechte Schulnoten, ungenügende Allgemeinbildung, fehlende Disziplin ... dumm und dümmer wird angeblich die nachwachsende Generation. Schuld - so eine verbreitete Mutmaßung - sind die Medien, die den Kindern und Jugendlichen Zeit stehlen, ihre Konzentrationsfähigkeit zerstören und ihnen die Hirne mit Angeboten auf niedrigstem Niveau verkleistern.

Ganz so einfach aber ist es nicht. Es gibt Heranwachsende, die schlecht in der Schule sind, obwohl sie nicht viel Zeit mit Medien verbringen, und es gibt umgekehrt Heranwachsende, die ausgiebige Mediennutzer und trotzdem gut in der Schule sind. Entscheidend für schulische Leistung ist das soziale Umfeld, die intellektuelle Anregung und Förderung, die Kinder und Jugendliche von Eltern oder anderen Bezugspersonen erfahren. Allerdings gibt es ein fatales Zusammenspiel zwischen sozialem Umfeld und Medienverhalten: In bildungsbenachteiligten Sozialmilieus, in denen Kinder weniger intellektuelle Anregung erfahren, ist zugleich ein zeitlich ausuferndes und inhaltlich problematisches Medienverhalten von Eltern und Kindern häufiger zu beobachten als in besser gebildeten Sozialmilieus. Außerdem bevorzugen weniger Gebildete konsumierbare Medien wie z.B. Fernsehen und Video. Ein vielfältiger Medienumgang, der auch interaktiv zu nutzende Medien wie das Internet integriert, ist hingegen bei besser Gebildeten häufiger anzutreffen (Abbildung: "Medienausstattung mit Computer und Internet"). Diese Allianz von Bildungsbenachteiligung und problematischem Medienverhalten in den Herkunftsmilieus von Heranwachsenden ist in Erwägung zu ziehen, bevor vorschnell nur die Medien für Schulschwierigkeiten oder persönliche und gesellschaftliche Bildungsdefizite verantwortlich gemacht werden.

Denn, was nicht vergessen werden darf, Medien können auch einen positiven Einfluss auf das Wissen von Heranwachsenden haben, z.B. kann durch das Fernsehen:

  • das (Allgemein-)Wissen bereichert werden.
  • die Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten gefördert werden.
  • der Horizont eigener Erfahrungen erweitert werden. Wir können mittels Fernsehen ferne Länder und fremde Kulturen kennen lernen, in die wir niemals real kommen werden.

Natürlich bieten auch Hörmedien (Radio, Hörbücher) die Möglichkeit, sich in fremde Welten zu begeben und somit dazuzulernen. Computermedien sind als Lernwelten besonders prädestiniert, weil die eigenen Aktivität nachhaltiges Lernen befördern kann.

Um das, was sie aus den Medien erfahren, in ihren Wissensfundus integrieren zu können, brauchen Heranwachsende v.a. wenn sie noch jünger sind, die Unterstützung Erwachsener. Dies gilt v.a. für das Internet. Dessen Struktur ist jüngeren Kindern nur schwer zugänglich und eine Gewinn bringende Nutzung als Informationsmedium setzt insgesamt die Fähigkeit voraus, Relevantes von Irrelevantem zu trennen. Die Gleichwertigkeit, mit der Inhalte im Netz präsentiert werden, macht diese Unterscheidung nicht eben leicht.