1.1 Medien machen aggressiv

Die Befürchtung, dass Heranwachsende aggressiv werden, wenn sie sich gewalthaltigen Fernsehsendungen, Kinofilmen oder Computerspielen zuwenden, ist weit verbreitet. Als Beleg gilt z.B. das medienbezogene Spielverhalten von Kindern. Dazu stellt Barthelmes fest: "Medienbezogene Spiele der Kinder werden aus Sicht der Erwachsenen meist als ,aggressiv' und ,gewalttätig' bezeichnet. [...] Doch in den medienbezogenen Abenteuer- und Actionspielen ist die Aggression in der Regel ,gespielt'." Aggressives Spielverhalten kann nicht einfach gleichgesetzt werden mit aggressiven Dispositionen, die in der Realität ausgelebt werden.

Aggressionen, ob sie nun körperlicher oder verbaler Art sind, werden vorwiegend durch soziale Konflikte ausgelöst, z.B. wenn ein Kind von einem Spiel ausgeschlossen wird oder ein Jugendlicher sich ungerecht behandelt fühlt. Die Ursachen für aggressives Verhalten liegen im Normalfall in den sozialen Bedingungen, unter denen Kinder bzw. Jugendliche aufwachsen. Medien sind in den wenigsten Fällen Auslöser.

Aber: Medien können als Verstärker fungieren und darin liegt ihr entscheidendes Wirkungspotential. Die Verstärkungsfunktion von Medien ist besorgniserregend, gerade wenn es um Gewalt geht. Dies gilt umso mehr, wenn Gewalt als probates Lösungsmittel für Konflikte oder als Möglichkeit, Macht zu erlangen, in verschiedenen medialen Kontexten propagiert wird, sei es im Kino-Action-Film, in der Fernsehserie, dem PC-Spiel, dem Comic oder in Videoclips.

Fragen werfen insbesondere auch gewalthaltige Angebote auf, in die Kinder und Jugendliche sich mit aktivem Handeln involvieren können, wie z.B. PC-Spiele in On- und Offline Varianten. Denn hier wird Gewalthandeln nicht nur betrachtet sondern selbst vollzogen, freilich im virtuellen Raum und nicht real – ein Unterschied, den man nicht vernachlässigen kann.