4.5 Die informative Nutzung des Internet durch Heranwachsende

Das Internet gewinnt für Heranwachsende als Informationsmedium an Gewicht. Bei den 6- bis 9-Jährigen ist es noch nicht das Medium der Wahl, wenn es um Information und Wissen geht. Nach Büchern und Fernsehen steht es an dritter Stelle (Flimmo 2004), denn die Informationssuche im Internet ist für Kinder nicht eben einfach (Feil/Decker/Gieger 2004).

Tun sich Jugendliche und Erwachsene schwer, die Informationsflut zu bewältigen, so scheitern Kinder bis zum Alter von ca. 9 Jahren meist schon an den Voraussetzungen: Der Umgang mit Texten ist noch unvertraut, die Struktur des Mediums bleibt undurchsichtig, die Tastatur stellt eine große Herausforderung dar. Englischsprachige Meldungen und technische Fachausdrücke behindern das Vorankommen. Soll Information gefunden werden, sind Kinder diesen Alters auf die Hilfe von Erwachsenen oder älteren Geschwistern angewiesen.

Fragt man ältere Kinder nach ihren Medien für die Informationssuche, so teilt sich das Internet bereits den ersten Platz mit den Büchern (Flimmo 2004). Das ist angesichts der scheinbar leicht verfügbaren großen Informationsmenge kaum verwunderlich. Allerdings haben noch längst nicht alle 6- bis 12-Jährigen Zugang zum Internet. Von denjenigen, die einen Computer nutzen (das waren 70% im Jahr 2003), gehen 60% "zumindest selten" ins Internet. Von diesen suchen ca. 40% im weltweiten Netz mindestens einmal pro Woche nach schulbezogenen und sonstigen Informationen (KIM 2003). Inwieweit sie fündig werden, bleibt fraglich. Zumindest steht nach Auffassung der Kinder der Rechercheaufwand oft nicht im Verhältnis zum Ergebnis. Geeignete Suchstrategien haben die Kinder noch nicht entwickelt und der Umgang mit Suchmaschinen ist ihnen noch nicht vertraut (Feil/Decker/Gieger 2004).

Soll die Informationssuche nicht zum Frusterlebnis werden, sind eine Einführung in die Recherchemöglichkeiten und Unterstützung bei den ersten Versuchen sehr hilfreich. Dabei nützen kindergerechte Internet-Angebote wie etwa die Suchmaschine Die Blinde Kuh. Um mit dem Internet vertraut zu werden, ist ein spielerischer und interessensbezogener Zugang sinnvoll. Angebote für Kinder sind mittlerweile zahlreich.

Nahezu täglich durchforstet etwa ein Drittel der computernutzenden Heranwachsenden ab 12 Jahren das Internet nach Informationen (JIM 2004). Dabei geht es nicht nur um Bildungs- oder Berufsbezogenes und für die Allgemeinheit relevante Nachrichten, denn Jugendliche haben einen breiten Informationsbegriff. Dazu gehört auch alles, was sie für den eigenen Alltag als wissenswert und nützlich empfinden (Schorb/Theunert 2000). Das kann Neuigkeiten im Leben des Lieblingsschauspielers ebenso einschließen wie die den günstigsten Preis für das begehrte Mountainbike.
Jugendliche, die das Internet intensiv nutzen, haben meist effektive Wege gefunden, um zu relevanter Information zu gelangen. Je ernsthafter, wissensbezogener und komplexer die Nutzung des Internet wird, desto deutlicher wird das Übergewicht von bildungsbevorzugten Heranwachsenden (Wagner u.a. 2004). Für andere ist der versierte Umgang damit weniger selbstverständlich.

Derzeit sind Heranwachsende großenteils auf die eigene Initiative und das soziale Umfeld angewiesen, wenn sie Computer und Internet optimal nutzen wollen, denn der Schulunterricht bietet offenbar noch zu wenig Unterstützung (Senkbeil in merz 6/2005). Nicht alle verfügen aber über computer- und internetverständige Familien und Freunde. Um so wichtiger sind Broschüren, Tipps und Plattformen, auf der Jugendliche sowohl Information finden, als auch selbst im Internet aktiv werden können:



Infobox

Literatur

Feil, Christine; Decker, Regina; Gieger, Christoph (2004) Wie entdecken Kinder das Internet? Beobachtungen bei 5- bis 12-jährigen Kindern. Wiesbaden

Flimmo Programmberatung für Eltern e.V. (Hrsg) (2004) Wissen von A bis Z. Flimmo Kinderbefragung. www.flimmo.de/downloads/BerichtWissen.pdf

Gebel, Christa; Wagner, Ulrike (2005) Kinder und Jugendliche im Internet. Ein aktueller Forschungsüberblick. In: Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM): Angebote für Kinder im Internet. Ausgewählte Beiträge zur Entwicklung von Qualitätskriterien und zur Schaffung sicherer Surfräume für Kinder. München, S 41-57

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2003)
KIM-Studie 2003. Kinder und Medien. Computer und Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger. Baden-Baden

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2004) JIM-Studie 2004. Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Baden-Baden

Schorb, Bernd; Theunert, Helga (2000) „Ein bisschen wählen dürfen...“ Jugend-Politik – Fernsehen. Eine Untersuchung zur Rezeption von Fernsehinformation durch 12- bis 17-Jährige. München

Senkbeil, Martin (2005) Gleiche Chancen für alle? Befunde aus PISA 2003 zum Stellenwert der Schule beim Erwerb von Computerkenntnissen durch benachteiligte Jugendliche. In: merz 49, 6, S 97-109

Theunert, Helga (2005) Medien als Orte informellen Lernens im Prozess des Heranwachsens. In: Sachverständigenkommission Zwölfter Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.): Kompetenzerwerb von Kindern und Jugendlichen im Schulalter. München, S. 175-300

Wagner, Ulrike; Theunert, Helga; Gebel, Christa; Lauber, Achim (2004) Zwischen Vereinnahmung und Eigensinn – Konvergenz im Medienalltag Heranwachsender. München