4.2 Der Einfluss der Eltern auf die Rezeption der Kinder

Welche Vorbildwirkung geht von den Eltern aus?
Aus Untersuchungen wissen wir, dass:

  • Kinder Informationssendungen im Fernsehen meist gemeinsam mit den Eltern ansehen.
  • die Bewertung von Sendungen und Beiträgen von ihren Eltern übernehmen.
  • selbst noch als Jugendliche diejenigen Informationssendungen auswählen, die auch von den Eltern gesehen werden.
Eltern haben also einen erheblichen Einfluss darauf, welche Sendungen Kinder sehen und was sie davon halten.

Welche Konsequenzen können Eltern daraus ziehen?

  • Die eigene Auswahl von Sendungen mit Blick auf die Kinder verantwortungsbewusst treffen.
  • Gelegentlich auch problematische Sendungen mit den Kindern gemeinsam anschauen und besprechen.
  • Die Diskussion mit den Kindern über die Themen und die Machart der Sendungen gibt auch Gelegenheit, ihnen die eigenen Werthaltungen zu vermitteln.

Erschreckend und unverständlich: Wie können Eltern helfen?

Eltern können ihren Kindern helfen, das Gesehene und Gehörte richtig zu verarbeiten, indem sie:
  • Infosendungen mit den Kindern gemeinsam anschauen.
  • gesprächsbereit sind: auf Fragen der Kinder eingehen, (evtl. auf ein Gespräch nach der Sendung verweisen).
  • zusätzliche Informationen geben oder besprechen, wie man mehr über das Thema erfahren kann, z.B. Bibliotheken oder das Internet heranziehen. Websites für Kinder wie z.B. logo! (www.kika.de/fernsehen/a_z/l/logo/index.shtml), BR-Kinderinsel (www.br-online.de/kinder), Kindernetz (www.kindernetz.de), Blinde Kuh (www.blinde-kuh.de) greifen Nachrichtengeschehen auf und erklären es kindgerecht.
  • auch eingestehen, wenn sie etwas nicht wissen, statt Fragen abzublocken mit Sätzen wie: "Das verstehst du noch nicht, dafür bist du noch zu klein." Solche Sätze nehmen Kindern den Drang, die Wirklichkeit zu begreifen.
  • zuwendungsbereit sind: Bei beängstigenden Bildern z.B. kuscheln oder trösten.
  • die Ängste der Kinder ernst nehmen und ihnen Sicherheit vermitteln: Beschwichtigungen bringen nicht viel, wenn Kinder spüren, dass Eltern selbst verunsichert sind (z.B. über die Ereignisse am 11. September 2001) oder die Gefahr für Kinder sehr konkret ist (z.B.: "wenn mich jemand auf der Straße anspricht und mitnehmen will"). Es ist hilfreich, bedrohliche Situationen im Gespräch oder auf andere Weise durchzuspielen und auf aktive Handlungsmöglichkeiten abzuklopfen, wie z.B. "Was würde ich machen, was würdest du machen, wenn ...?" Kleinen Kindern hilft es, Situationen im Wortsinne durchzuspielen oder ein Bild dazu zu malen.
  • schwierige oder beängstigende aktuelle Themen (ob nun im Fernsehen gesehen oder nicht) im Familiengespräch nicht aussparen; so haben die Kinder die Chance, sich damit zu beschäftigen, bevor unnötige Ängste aufkommen und erfahren, dass die Eltern dafür offen sind.


Infobox

Literatur

JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, München (2005) Von Tagesschau bis Explosiv: Ängstigend oder informativ für Kinder? Bausteine zur Medienerziehung in Familien. München

Kuchenbuch, Katharina (2003) Die Fernsehnutzung von Kindern aus verschiedenen
Herkunftsmilieus. In: Media Perspektiven 1/2003, S 2-11

Theunert, Helga; Schorb, Bernd (1995) „Mordsbilder“: Kinder und Fernsehinformation. Berlin