3.3 Das Internet als Kommunikationsmittel

Das Internet bietet Kommunikationsmöglichkeiten, die für die Entwicklung von älteren Kindern und Jugendlichen relevant sein können. Zum einen ergeben sich erweiterte Kontaktmöglichkeiten zu Personen aus der eigenen Lebenswelt: Mit Freunden über Kommunikationsdienste wie ICQ (sprich: "I seek you") in Kontakt zu treten, sich mit ihnen im Chatroom zu treffen oder mit ihnen in virtuellen Erlebniswelten gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen, ist für viele Heranwachsende von besonderem Reiz.
Aber auch mit Fremden Kontakt aufzunehmen und dabei Anonymität zu wahren – oder auch nicht – ist eine populäre Funktion des Internets. Hier tun sich auf Inhalts- wie auf Beziehungsebene die unterschiedlichsten Erfahrungsmöglichkeiten auf.

Das Internet ermöglicht den Austausch über Themen, die man mit Freunden oder Eltern lieber nicht besprechen möchte oder für die es in der persönlichen Umgebung weder interessierte noch kompetente Ansprechpartner gibt. Auf der Beziehungsebene reicht die Palette der Kontaktmöglichkeiten von der unverbindlichen öffentlichen Plauderei über die Einbettung in eine virtuelle Gemeinschaft bis zur Pflege von virtuellen Beziehungen.

Die verbreitetste Form der internetbasierten Kommunikation ist für Kinder wie für Jugendliche das E-Mailen. Bei den jüngeren (6 bis 13 Jahre, KIM 2003) steht an zweiter Stelle das Plaudern in sogenannten Chatrooms, bei den älteren (ab 12 bis 19 Jahre, JIM 2004) das Instant-Messaging, wie z.B. über ICQ.
Die Teilnahme an Chats erfordert eine gewisse Übung im mehr oder minder zeitgleichen Schreiben und Lesen. An Chats beteiligen sich von den 6- bis 13-jährigen Internetnutzern 16% mindestens einmal in der Woche (KIM 2003). Täglich oder mehrmals wöchentlich gehen ca. ein Fünftel der 12- bis 19-Jährigen in einen Chat (JIM 2004). Als wichtigste Motive geben jugendliche Chatterinnen und Chatter an, neue Kontakte knüpfen, flirten und zum Zeitvertreib plaudern zu wollen. Das Plaudern und Flirten, der spielerische Umgang mit der eigenen Identität sowie der Kontakt mit Fremden sind für Heranwachsende ein reizvolles Erfahrungsfeld.

Es birgt jedoch auch gewisse Risiken. Die Bandbreite reicht von enttäuschten Beziehungswünschen über die Konfrontation mit groben Beleidigungen bis hin zur sexuellen Belästigung. Ein knappes Drittel der 12- bis 13-jährigen und knapp zwei Drittel der 18- bis 19-jährigen Chatnutzer hat schon einmal oder mehrmals unangenehme Leute im Chatroom getroffen (JIM 2004).

Themenbezogene Chatrooms, Online-Foren und Newsgroups dienen vor allem dem Informationsaustausch und der Beratung (link zu Orientierung). In Foren können zu vorgegebenen Themen Beiträge gelesen und platziert werden oder auch neue Diskussionen begonnen werden. Ein gutes Zehntel der 6- bis 13-Jährigen liest mindestens einmal wöchentlich Beiträge in Newsgroups (KIM 2003). Von den 12- bis 19-jährigen Mädchen besuchen nur 5% täglich oder mehrmals wöchentlich Newsgroups, von den Jungen dieser Altersgruppe sind es 12% (JIM 2004).


Infobox

Links

Literatur

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2003) KIM-Studie 2003. Kinder und Medien. Computer und Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger. Baden-Baden

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2004) JIM-Studie 2004. Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Baden-Baden