3.2 Das Handy als Kommunikationsmittel

Elektronische, insbesondere mobile Kommunikation hat für Kinder und Jugendliche in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Handy und Internet ermöglichen den schnellen und teils ortsunabhängigen Austausch von Mitteilungen, erlauben eine permanente Verbundenheit mit Familie und Freunden sowie das Anbahnen neuer Kontakte auch zu Personen in großer räumlicher Distanz.

Das Handy ist aus dem Alltag von Jugendlichen und zunehmend auch Kindern kaum mehr wegzudenken. Ca. 90% der 12- bis 19-Jährigen besitzen ein eigenes Handy und etwa ein Viertel der 6- bis 13-Jährigen, Tendenz steigend. Das Gerät, anfänglich meist in Hinblick auf eventuelle Notfälle angeschafft, eröffnet vielerlei Kommunikationsmöglichkeiten. Die wichtigste ist für Jugendliche das Austauschen von SMS-Botschaften gefolgt vom Telefonieren. Rund vier bis fünf SMS pro Tag empfangen Jugendliche im Durchschnitt und verschicken annährend ebenso viele Mitteilungen. Die wichtigsten Handy-Kontaktpartner von Jugendlichen sind Freunde, Liebespartner und Eltern. Der Kreis der regelmäßig Kontaktierten beschränkt sich auf durchschnittlich acht Personen, auch wenn so manches elektronische Adressbuch bis zu 60 Einträge verzeichnet.

Je nach technischer Ausstattung lassen sich per Handy auch Logos, Fotos und Töne austauschen. Diese Funktionen stehen in ihrer Wichtigkeit allerdings deutlich hinter SMS und Telefonat zurück, wofür nicht zuletzt die zusätzlichen Kosten eine Rolle spielen dürften. Der Umgang mit den Handykosten stellt für Jugendliche eine ernstzunehmende Herausforderung dar, für manche birgt er auch ein Verschuldungsrisiko und sorgt nicht selten für Konflikte mit den Eltern. Auch andere Funktionen des Handys, wie z.B. die Möglichkeiten, per SMS Klingeltöne zu bestellen oder an Gewinnspielen teilzunehmen, sind Kostenfallen, über die Kinder und Jugendliche informiert sein sollten.

Der Handyeinsatz trägt zur flexiblen und mobilen Organisation des Alltags bei, erleichtert z.B. spontane Verabredungen. Dies kann den Kontakt zu Altersgenossen und Familie erheblich intensivieren, auf der anderen Seite aber auch distanzierter oder unverbindlicher machen: Ein unerwünschter Anruf lässt sich unauffällig abweisen, eine SMS erfordert weniger verbindliche Reaktionen als ein Telefonat, Verabredungen lassen sich durch ständige Erreichbarkeit auch kurzfristig absagen. Gleichzeitig vermischen sich die Sphären: Auf dem Familienausflug lässt sich mit Freunden "simsen", während des ersehnten Treffens mit der neuen Liebe ruft die Mutter an. Flexibilität und ständige Erreichbarkeit bergen somit auch Schwierigkeiten, mit denen umzugehen Kinder, Jugendliche und Familien lernen müssen, indem sie Stellung beziehen, sich Regeln geben und Grenzen definieren.


Infobox

Literatur

Döring, Nicola (2005) Handy und SMS im Alltag. Ergebnisse einer Befragung. In: merz 49, 3, S 29-34

Ehler, Karin (2005) Mittler zwischen den Generationen? Das Handy im Fokus des Kinder- und Jugendschutzes. In: merz, 49, 3, S 35-39

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2003) KIM-Studie 2003. Kinder und Medien. Computer und Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger. Baden-Baden

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2004) JIM-Studie 2004. Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Baden-Baden

Schulz, Iren (2005) Zwischen Reiz und Risiko. Jugendliche über Handys und Mobilfunkangebote. In: merz 49, 3, S 17-23

Selmer, Lena (2005) „Nicht nah, aber immer für dich da!“ Erreichbarkeit im Familienalltag. In: merz 49, 3, S 24-28