2.2 Der Reiz von Computerspielen für Heranwachsende

Die Faszinationskraft der Computerspiele hält unvermindert an und ist längst nicht mehr auf Kinder und Jugendliche begrenzt. Die Faszination für diese Art der medialen Unterhaltung kann verschiedene Gründe haben:

  • Computerspiele sind interaktiv
Die Spielerinnen und Spieler können das Geschehen auf dem Bildschirm beeinflussen. Anders als zum Beispiel beim Fernsehen oder bei Hör- und Printmedien haben die Spieler die Chance, den Fortgang des Spiels direkt zu steuern. Zwar kann das auch nur in den vorgegebenen Bahnen des Spieldesigns erfolgen, die Möglichkeit überhaupt aktiv zu werden, wird trotzdem als besonderer Reiz erlebt. Besonders attraktiv ist das vernetzte Spielen, sei es nun auf LAN-Partys oder über das Internet, bei dem mit oder gegen reale Mitspieler agiert wird. Neben einer größeren Variationsbreite an Spielmöglichkeiten eröffnet sich hier die Gelegenheit zum Kontakt mit anderen Spielbegeisterten.

  • Spielkontrolle als Anreiz
Computerspiele bewirken positive Emotionen, die durch das Erleben der eigenen Leistungsfähigkeit und Kompetenz im Spiel erzeugt werden. Der Begriff "Spielkontrolle" bringt es auf den Punkt: Der erfolgreiche Spieler erstreitet sich ein "Bleiberecht" im Spiel, beherrscht die Spielwelt und findet darin Selbstbestätigung und emotionale Befriedigung.

  • Sogwirkung von Computerspielen
"Der Spielerfolg trägt entscheidend dazu bei, sich dem Spiel längere Zeit zuzuwenden. Intensives Spielen kann dazu führen, dass die Spieler mit dem Spiel verschmelzen und "Flow"-Erlebnisse haben." Die Herausforderung, noch diesen einen Level zu bewältigen oder dieses eine Problem zu lösen, lässt die Spieler alles außerhalb der Spielwelt vergessen, die Zeit, "teilweise auch elementare Bedürfnisse wie Essen und Schlaf". Von weltweit vernetzten Multiplayer-Onlinespielen geht in dieser Hinsicht ein besonderer Reiz aus, denn zu jeder Tages- und Nachtzeit finden sich über die Kontinente verstreute Mitspieler.

  • Geschlechtsspezifische Unterschiede
Bezüglich der Vorlieben gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede: Mädchen bevorzugen lustige, eher friedliche, comicartige Spiele, bei denen Abenteuer zu bestehen sind. Existenzielle Gefährdungen spielen darin so gut wie keine Rolle. Jungen dagegen fühlen sich mit kampfbetonten, action- und gewalthaltigen Spielen eher gut unterhalten. Bei Mädchen und Jungen gleichermaßen beliebt sind Rennspiele, Aufbausimulationen und Strategiespiele. Das Phänomen, im Spiel alles um sich herum zu vergessen und dessen "Sogwirkung" zu erliegen, ist vor allem bei männlichen Kindern und Jugendlichen zu beobachten.


Infobox

Literatur

Fritz, Jürgen; Fehr, Wolfgang (Hrsg.) (2003) Computerspiele. Virtuelle Spiel- und Lernwelten. Bonn

Fromme, Johannes; Meder, Norbert; Vollmer, Nikolaus (2000) Computerspiele in der Kinderkultur. Opladen

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2003) KIM-Studie 2003. Kinder und Medien. Computer und Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger. Baden-Baden