2.1 Zur Bedeutung von Fernsehunterhaltung für Kinder

"Wenn Kinder gefragt werden, warum sie fernsehen, dann steht an erster Stelle die gleiche Antwort wie bei Erwachsenen: um sich zu unterhalten. Unterhaltung ist erst einmal Sinneserregung. Die Gründe, durch Unterhaltung die Sinne zu erregen, sind jedoch, wenn man sie genauer betrachtet, sehr vielfältig.

  • Unterhaltung ist für Kinder zunächst angenehmer Selbstzweck, dient aber auch zur Vermeidung von Langeweile und belastenden Situationen.
Das Motiv, sich zu unterhalten, ist einerseits ein Wunsch, der für sich selbst steht und keiner weiteren Begründung bedarf: Sich zu unterhalten ist angenehm. In vielen Fällen ist dieser Wunsch damit verknüpft, Langeweile zu vermeiden. Auch die Ablenkung von belastenden Situationen im Alltag gelingt mit Fernsehunterhaltung. Der Streit mit Eltern, der Stress in der Schule, der Zoff mit Freunden ... das Fernsehen hilft, all das vorübergehend zu vergessen.

  • Unterhaltung im Fernsehen ist für Kinder mit der Freude an Action und Spannung verbunden.
Kinder, die in ihrer Bewegungsfreude und auch der Fähigkeit, alles um sich herum aufzunehmen, den Erwachsenen weit überlegen sind, brauchen eine Welt, die in Spannung und Bewegung, also in Aktion ist. Action und Spannung sind nicht für jedes Alter die gleichen, und auch Mädchen und Jungen verstehen darunter Unterschiedliches. Auf körperliche Gewalt bei Action legen Mädchen keinen Wert, sie lehnen sie explizit ab. Aber, dass etwas geschieht, dass es aufregend ist, ist den Kindern unabhängig von Alter und Geschlecht wichtig und macht einen wesentlichen Bestandteil ihrer Lust auf Unterhaltung aus.

  • Unterhaltung ist verknüpft mit dem Wunsch nach Angstlust und harmonischer Auflösung von bedrohlichen Situationen.
Da Kinder sehr bald wahrnehmen, dass die Welt nicht ohne Gefahren ist und dass die Bewältigung einer Gefahr auch mit angenehmen Gefühlen verbunden sein kann, suchen sie in der Fernsehunterhaltung auch Angstlust oder Wonneangst, jenes körperlich spürbare Gefühl, das auftritt, wenn ein Lebewesen, mit dem man sich identifizieren kann, in eine bewältigbare Gefahr gerät. Diese Wonneangst lässt sich in Unterhaltungssendungen deshalb befriedigen, weil der dramaturgische Aufbau so gestaltet ist, dass sie ein weiteres gleichrangiges Motiv mit einschließen, dem Wusch nach Harmonie und einer zuverlässigen Lösung von Konflikten" (Theunert/Lenssen/Schorb 1995).