1.5 Alter

Je jünger die Heranwachsenden sind, desto mehr hängt ihre Mediennutzung von den Eltern ab. Diese bestimmen, zu welchen Medienangeboten Klein- und Vorschulkinder und größtenteils auch noch Kinder bis Mitte des Grundschulalters Zugang haben. Gegen Ende des Grundschulalters wird dem Nachwuchs dann zunehmend mehr Selbstständigkeit und Freiheit in Bezug auf die Mediennutzung zugestanden (KIM 2003).

Die Zeit, die täglich für Medien aufgewandt wird, nimmt im Altersverlauf zu. Während die durchschnittliche Mediennutzung von Vorschulkindern – ob nun nebenbei oder mit voller Aufmerksamkeit – sich auf zweidreiviertel Stunden am Tag beläuft (Feierabend/Mohr 2004), schätzen die Eltern von 6- bis 13-Jährigen die tägliche Mediennutzung auf durchschnittlich vier Stunden (KIM 2003). Das Fernsehen ist nach wie vor das Medium, das bei Kindern ganz obenan steht. Das Radio ist das am zweithäufigsten genutzte Medium.

Auch bei 9- bis 19-Jährigen lässt sich ein Zuwachs in der Mediennutzung nachvollziehen. Mit zunehmendem Alter geben immer mehr Heranwachsende an, dass sie Fernsehen und weitere audiovisuelle Medien sowie Radio und andere Musik- und Hörmedien "oft" nutzen (Wagner u.a. 2004). Besonders die Computer- und Internetnutzung gewinnt an Gewicht. Sagen von den 9- und 10-Jährigen 45%, dass sie das Internet "oft" nutzen, so sind es schließlich 94% der 17- bis 19-Jährigen. Die Spielkonsole wird mit zunehmendem Alter dagegen von immer weniger Heranwachsenden "oft“ genutzt (73% der 9- und 10-Jährigen und nur noch 35% der 17- bis 19-Jährigen).

  • Die subjektiv wichtigsten Medien in der Altersgruppe der 9- bis 19-Jährigen sind Musik- und Hörmedien, gefolgt von Fernsehen und Computer. Die Bedeutung, die dem Fernsehen im Medienensemble zugeschrieben wird, nimmt im Altersverlauf ab. Vor allem das Internet gewinnt dagegen an Wichtigkeit (Wagner u.a. 2004).
  • Je älter die Mädchen und Jungen werden, umso stärker nutzen sie Computer und Internet. Während der Computer zunächst fast ausschließlich zum Spielen dient, schätzen ihn die älteren Jugendlichen mehr und mehr auch als "Arbeitsmedium", zum Beispiel für die Erledigung von Hausaufgaben, zum Vorbereiten von Referaten usw. Außerdem wird das Internet von den Älteren zunehmend als Kommunikationsmittel benutzt: zum E-Mailing, um zu chatten, sich über Stars auszutauschen usw. (Wagner u.a. 2004).
  • Auch die Intensität der Handynutzung steigt, je älter die Jugendlichen sind, zieht man die monatlichen Nutzungsgebühren als Indikator dafür heran. Betrugen sie im Jahr 2004 bei 12- und 13-Jährigen im Durchschnitt knapp 15 Euro, so standen bei 16- und 17-Jährigen bereits gut 20 Euro auf der Abrechnung und bei 18- und 19-Jährigen sogar mehr als 27 Euro (JIM 2004).

Darüber hinaus sind die medienbezogenen Fähigkeiten, die individuellen Medienerfahrungen und die Medienkompetenz von Bedeutung für die Mediennutzung. Die Ausformung der medienbezogenen Fähigkeiten wird durch die Förderung von Medienkompetenz unterstützt. Dies geschieht vor allem gezielt durch Medienerziehung, oft aber auch beiläufig, z.B. wenn Kinder gemeinsam mit Eltern, älteren Geschwistern oder Gleichaltrigen Medien nutzen und von deren Kenntnissen profitieren können. So lassen sich Grundschulkinder den Umgang mit dem Computer vor allem von Eltern, Freunden und Geschwistern zeigen. Den Umgang mit Computerspielen lernen Kinder auf zwei Wegen: zum einen, indem sie sich von Gleichaltrigen zeigen lassen, was zu tun ist, zum anderen durch Versuch und Irrtum. Auch die Medienerfahrungen, die im Verlauf des Heranwachsens gesammelt werden, begünstigen also die Weiterentwicklung des Medienwissens und -verständnisses.


Infobox

Literatur

Feierabend, Sabine; Mohr, Inge (2004) Mediennutzung von Klein- und Vorschulkindern. Ergebnisse aus der ARD/ZDF-Studie „Kinder und Medien 2003“. In: Media Perspektiven 9/2004, S 453-461

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2003) KIM-Studie 2003. Kinder und Medien. Computer und Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger. Baden-Baden

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2004) JIM-Studie 2004. Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Baden-Baden

Wagner, Ulrike; Theunert, Helga; Gebel, Christa; Lauber, Achim (2004) Zwischen Vereinnahmung und Eigensinn – Konvergenz im Medienalltag Heranwachsender. München